Vorwort

Dieses Medienbildungskonzept ist wie alle schulischen Konzepte „work-in-progress“ und wird nie „fertig“ werden. Daher wird eine ausgedruckte Version wahrscheinlich veraltet sein.

Die Begriffe „Medienbildungskonzept“, „Medienentwicklungsplan“ und „Medienkonzept“ werden wie folgt verstanden und benutzt:

Medienbildungskonzept:

Dieses Dokument. Es beinhaltet Aussagen zu

  • didaktischen Erfordernissen
  • methodischen Entscheidungen
  • pädagogischen Anforderungen
  • curricularen Vorgaben

Medienentwicklungsplan:

Unser Medienentwicklungsplan ist ein mit der Gemeinde Stemwede zuletzt im Jahr 2014 erarbeitetes und zunächst bis zum Jahr 2020 ausgelegtes Konzept zur Ausstattung unserer Schule und der kommunalen Grundschulen mit digitalen Hilfsmitteln. Es beinhaltet ebenfalls Zusagen und Absprachen zum technischen Support. Gespräche zur Fortführung des Medienentwicklungsplans im Hinblick auf den „Digitalpakt“ laufen derzeit.

Medienkonzept:

Verbindet die schulische (Medienbildungskonzept) und kommunale (Medienentwicklungsplan) Verantwortlichkeit zu einem gemeinsamen Vorhaben.

1. Einleitung

Die Digitalisierung und die zunehmende globale Vernetzung durch das Internet in den letzten Jahrzehnten haben zu einer nachhaltigen Veränderung unserer Gesellschaft, unserer Arbeitsplätze und unserer Freizeit geführt. Um unsere Schüler auf eine mediale Welt vorzubereiten, die wir heute noch gar nicht kennen, müssen wir mehr tun, als nur Kenntnisse und Techniken zu vermitteln. Neben den Kompetenzen, die die traditionell schon seit Generationen von Schulabgängern erwartet wurden und voraussichtlich auch in der Zukunft wichtig sein werden, kommt der Gestaltung von Lernen in einer digitalisierten Welt eine immer entscheidendere Bedeutung zu. Daher ist dieses Medienbildungskonzept Teil des Schulprogramms und Aufgabe der Unterrichtsentwicklung:

Weil wir in einer Welt leben, die in zunehmendem Maße von DIGITALISIERUNG geprägt ist, ermöglichen wir allen Schülerinnen und Schülern ungeachtet ihrer Herkunft und ihres Elternhauses, mit und über digitale Medien zu lernen. Den Erwerb traditioneller Kulturtechniken erweitern wir durch die Stärkung digitaler Kompetenzen kontinuierlich zu „Lesen – Wissensmanagement“, „Schreiben – Mediale Inhalte erstellen“ und „Rechnen – Umgang mit Algorithmen“.

Mit der Digitalisierung erfolgt ein Leitmedienwechsel, der auch in der Schule weitreichende Auswirkungen hat (sehr gut beschrieben bei Döbeli-Honegger, Beat: Mehr als 0 und 1 – Schule in einer digitalisierten Welt. Hep-verlag 2016. http://www.mehrals0und1.ch)

Vor dem Hintergrund, dass sich die Themenfelder im Bereich der Digitalisierung stetig ändern, stellt eine Ergänzung der herkömmlichen Unterrichtsmethoden durch die Anwendung digitaler Medien für das Kollegium eine große Herausforderung dar. Ähnlich wie die Elternschaft ist der überwiegende Teil der Lehrenden in der Regel nicht mit ihnen aufgewachsen und dementsprechend zurückhaltend bei der Nutzung. Dafür gilt es Unterstützungskonzepte zu entwickeln und Angebote des Landes, der Kompetenzteams und externer Partner zu nutzen, um Hemmschwellen abzubauen und die Kompetenzen der Lehrenden dem Wissen und den Erfahrungen der Schüler anzupassen. Input von außen erweitert den eigenen Horizont und bringt oft neue Ideen, die den eigenen Unterricht voranbringen.

2. Technische Ausstattung und Software

Die Schule besitzt zurzeit zwei EDV-Räume, in denen jeweils 16 Schüler*innen-PCs und ein Lehrer*innen-Rechner in einem Netzwerk zur Verfügung stehen. Ein Raum verfügt über einen Scanner. In jedem Raum ist ein Laserdrucker (sw) über das Netz zu betreiben. Alle Schulrechner im pädagogischen Netz nutzen Windows 10 und sind dementsprechend für die meisten schulischen Anforderungen ausreichend. Das Speicherkonzept und der Internetzugriff sind über einen zentralen Server in einem eigenen Serverraum realisiert. Die Rechner sind im Falle einer größeren Fehlfunktion recht einfach wieder in den Ausgangszustand gesetzt werden. Die hohe Verfügbarkeit dieser Lösung hat in den letzten Jahren zu einer guten Akzeptanz und dementsprechenden Auslastung geführt.

Im gesamten Schulbereich steht ein performantes WLAN zur Verfügung, ebenso verfügen alle Klassenräume und die EDV-Räume über einen Kurzdistanzbeamer mit je nach Anspruch angemessener Lautsprecherlösung. Einige Räume sind schon mit großformatigen LC-Displays ausgestattet. In den Fachräumen für Physik, Biologie, Chemie, Kunst und Musik befinden sich Laptops oder feste Rechner mit Netzwerkanschluss, die jeweils auf das Schulnetz zugreifen können. In den Lehrerarbeitszimmern stehen jeweils mindestens ein Rechner mit Zugriff auf das Schulnetz und ein Laserdrucker zur Verfügung.

Eine ausreichende Breitbandversorgung ist durch eine Glasfaserverbindung mit momentan 200 Mbit/s im Up- und Downstream verfügbar und noch auf 500 Mbit/s erweiterbar.

Zur mobilen Nutzung stehen zwei iPad-Trolleys mit je 16 Geräten, mobile Beamer und Lautsprecher zur Verfügung. Für eine konsequente nachhaltige Nutzung im Unterricht sind jedoch Leih-Lösungen nicht ausreichend. Daher wird jeder neue 7. Jahrgang und die dort unterrichtenden Lehrkräfte mit iPads ausgestattet. Die Verwaltung erfolgt über die Mobile-Device-Management-Lösung „Zuludesk“.

Die Stemweder-Berg-Schule verfügt mit „iserv“ über ein Schulnetzwerk, das aus allen Fach- und Klassenräumen über Datensteckdosen oder das gut ausgebaute und performante WLAN erreicht werden kann. Jeder Lehrer und jeder Schüler hat ein Benutzerkonto mit Passwort und einen persönlichen Datenbereich, der schulweit an jedem Arbeitsplatz als Laufwerk H: erreichbar ist. Alle schultypischen Arbeitsgänge sind über eine integrierte Benutzeroberfläche erreichbar. Dazu gehört die Kommunikation per eigener, allerdings nur im eigenen Netz nutzbaren Emailadresse, basale Aufgabenorganisation (z.B. Aufgaben austeilen an Klassen oder Kurse durch Lehrer, bearbeitete Aufgaben zurückgeben durch Schülerinnen, gemeinsamer Kurs/Projektarbeitsbereich). Auch ist es möglich, per Gruppenordner bestimmte Daten für Nutzergruppen zur Verfügung zu stellen.

„Iserv“ bietet die Möglichkeit, mit jedem Endgerät von jedem Ort mit Internetanschluss auf den Server zuzugreifen. Das war eine wichtige Voraussetzung dafür, dass die Schüler, die ab dem Sommer 2017 mit eigenen Tablets das Schulnetzwerk nutzen, auch von zu Hause auf die gespeicherten Inhalte zugreifen können.

Das Kollegium der Stemweder-Berg-Schule hat sich dazu entschlossen, nicht auf die Arbeit mit interaktiven Whiteboards zu setzen. Neben den pädagogischen Gründen – ein Gerät als zentrales Medium im Klassenraum sollte nicht angestrebt werden – spielt vor allem eine Rolle, dass eine flächendeckende Nutzung der Geräte in allen Räumen aus finanziellen Gründen sowohl bei der Anschaffung, als auch bei der Wartung nicht darstellbar ist. Um trotzdem auf die Vorteile einer Visualisierungsmöglichkeit nicht verzichten zu müssen, ist in jedem Klassenraum ein Beamer eingerichtet, an dem problemlos jede Art von Zuspielgerät angeschlossen werden kann. Bei technischen Problemen z.B. mit den vorhandenen Apple TV kann immer noch eine Kabelverbindung hergestellt werden.

Durch die Benutzung der Tablets entfällt die normalerweise für den Jahrgang 7 vorgesehene Anschaffung von Taschenrechnern. Dafür kann mit der angesprochenen MDM-Lösung in den derzeit noch vorherrschenden Prüfungsszenarien („Klassenarbeit“) der Zugriff auf die Taschenrechner-App beschränken werden.

3. Digitale Medien im Unterrichtseinsatz – und warum wir iPads verwenden

Das Lehrerkollegium der Stemweder-Berg-Schule ist sich einig, dass digitale Medien eine für einen zeitgemäßen Unterricht erforderliche Ergänzung der bisherigen Lehrmethoden darstellen. Vielmehr versteht es das Kollegium gerade als Aufgabe, die Vielfalt der Werkzeuge hervorzuheben und die Schüler zu einem reflektierten Umgang mit allen Medien anzuhalten. Allerdings wird mit einem sich rasch verändernden Bildungsbegriff (dazu: https://mihajlovicfreiburg.com/2017/09/08/was-ist-zeitgemaesse-bildung/) auch klar, dass eine Schule, die sich zeitgemäßem Lernen nicht verschließen will, nicht alten Wein in Form veralteter Lehrmethoden und -inhalte in neuen, digitalen Schläuchen anbieten darf.

Der Einsatz digitaler Medien macht vor allem dann Sinn, wenn er über den reinen Ersatz analoger Werkzeuge bei ansonsten gleicher Methodik hinausgeht. Das SAMR-Modell beschreibt verschiedene Stufen des Technologieeinsatzes und dessen Auswirkungen auf den Unterricht. Einige Unterrichtsziele lassen sich so nur noch mit digitalen Medien erreichen. Besonders für die individuelle Förderung können digitale Lernwerkzeuge einen wichtigen Beitrag leisten.

In den verschiedenen Jahrgängen und Unterrichtsfächern werden Unterrichtsreihen durchgeführt, die den Erwerb dieser Ebenen von Medienkompetenz einbeziehen und die Prozesse der Mediengestaltung und ihrer Einflüsse thematisieren.

Die hier gewonnenen Erkenntnisse werden umso bedeutsamer, je mehr Medien in alle Lebensbereiche drängen und in vielfältiger Hinsicht im Umgang mit anderen Menschen und Institutionen einerseits zur selbstverständlichen Voraussetzung werden, andererseits aber auch zu einem außerordentlichen Instrument nicht nur für „gute Ziele“. Die ständige Reflexion und Aktualisierung medienpädagogischer Arbeit in der Schule bildet inzwischen eine wichtige Aufgabe von Pädagogen und Eltern.

Anders als bei den traditionell eingesetzten Medien (PCs) spielt der Aspekt „Technik und Software“ beim Einsatz der Tablet-PCs (iPads) faktisch keine Rolle. Technische Hürden, die den Verlauf und die methodisch innovative Gestaltung von Unterricht nur allzu oft behindern (z.B. Probleme bei der Bedienung, fehlende Software, oftmals lange Startphase der Geräte), entfallen fast vollständig. Die Planung und Gestaltung von Unterricht kann so in den Vordergrund treten, mehr echte Lernzeit steht folgerichtig zur Verfügung.  

Unkomplizierte und räumlich flexible Nutzbarkeit eröffnet eine enorme Breite an methodischen Einsatzmöglichkeiten. In Einzel-, Partner- und Gruppenarbeiten kann die Nutzungsdauer der Geräte von längeren, projektartigen Arbeitsphasen bis hin zu sehr kurzen, eventuell nur wenige Minuten dauernden Aufträgen, wie zum Beispiel einer Internetrecherche, variiert werden. 

 Der hohe Grad an Mobilität sowie die Verbindung von Mikrofon, Kamera, Stift, Tastatur und verschiedener Sensoren in einem Gehäuse, aber auch die schnelle Verfügbarkeit von Inhalten und nicht zuletzt auch die Möglichkeiten der Produktion und Präsentation von Inhalten bieten vielfältige Einsatzmöglichkeiten im unterrichtlichen Alltag, insbesondere bei der Differenzierung des eigenen Lerntempos. Aktive Medienerziehung kann somit an einem hochattraktiven und lebensweltlich bedeutsamen, aus dem Alltag stammenden Gerät erfolgen.

Die Stemweder-Berg-Schule orientiert sich bei der unterrichtlichen Umsetzung ihres Medienbildungskonzepts am Medienkompetenzrahmen des Landes NRW. Der Medienkompetenzrahmen wiederum ist die nordrhein-westfälische Umsetzung des KMK-Strategiepapiers „Bildung in der Digitalen Welt“.

Im Folgenden soll erläutert werden, wie sich durch zeitgemäße Medienbildung Möglichkeiten eröffnen, eine aktive Medienarbeit und eine Entwicklung der in den einzelnen Bereichen genannten Teilkompetenzen zu erreichen.

3.1 Bedienen und Anwenden

Es ist eine so weit verbreitete wie trügerische Annahme, dass Kinder und Jugendliche im Umgang mit digitalen Medien geübt und „kompetent“ seien. Dabei zeigt sich oft nur eine interessierte und unbefangene Auseinandersetzung mit technischen Geräten. Vielfach beschränken sich diese Fertigkeiten aber auf grundlegende Bedienfunktionen. In der Schule sollten weitreichendere technische Fähigkeiten gefördert werden, die die Voraussetzung jeder aktiven und passiven Mediennutzung sind.

3.2 Informieren und Recherchieren

Während noch vor wenigen Jahren der Erwerb von Wissen wesentliches Ziel einer schulischen Bildung war, ist in einer Welt, in der dieses Wissen auf Knopfdruck verfügbar ist, die Auswahl der Informationen im Hinblick auf kritischen Umgang mit Quellen, Problemrelevanz und Einordung in größere Zusammenhänge von entscheidender Bedeutung

Essentiell für den Erwerb und dieser grundlegenden Kompetenzen ist eine schnelle und unproblematische Nutzbarkeit des Internets in jedem Klassenzimmer. Ein Raumwechsel oder das zeitintensive Starten von Computern im IT-Raum sind nicht nötig. Eine effektive Nutzung, z.B. zur Internetrecherche, ist jederzeit möglich. So können z.B. Aufgaben zur Recherche im Internet in einen Lernzirkel problemlos integriert oder online Lern- und Übungsangebote direkt im Klassenzimmer nutzbar gemacht werden. Durch den Zugriff auf aktuelle und real existierende Informationen wird zudem das Lernen in authentischen Kontexten ermöglicht. Im Internet frei verfügbare Multimedia-Angebote wie Podcasts, Audio- und Videoinhalte können unkompliziert in unterschiedlichste Phasen des schüler- oder lehrerzentrierten Unterrichts integriert werden. 

Die Anzahl an fachspezifischen Apps ist sehr groß und wächst täglich. Vom einfachen Taschenrechner über Programme zur Pflanzen- und Tierbestimmung bis hin zu komplexen Anwendungen für die unterschiedlichsten Unterrichtsfächer, etwa im Fach Chemie mit komplexen, interaktiven Periodensystemen, findet sich oftmals ein attraktives und nützliches Angebot. Durch die Verfügbarkeit von Nachschlagewerken, Atlanten, Wörterbüchern, Lexika und Lektüren wird das Tablet zur umfassenden, aktuellen und mobilen Schülerbibliothek. 

3.3 Kommunizieren und Kooperieren

Zahlreiche Anwendungen (z.B. BaiBoard oder auch Office online als Funktion innerhalb von iserv) eröffnen neue Wege der Kollaboration und Kommunikation im Unterrichtsalltag. Jeder einzelne Schüler, egal ob im Rahmen einer Gruppen- oder in Einzelarbeit, wird in die Lage versetzt, seine Arbeitsergebnisse digital zu veröffentlichen, sich mit Lernpartnern auszutauschen, Ergebnisse zu überarbeiten und zu fixieren.

Durch die zahlreichen Möglichkeiten des digitalen Datenaustausches ergeben sich variable Kommunikationswege im Rahmen von Unterrichtsprojekten. Institutionalisierte Feedbackschleifen wie auch individuelle Rückmeldung für SchülerInnen fördern eine gedeihliche Atmosphäre des Miteinanders und nachhaltiges Lernen. Verwendung finden Lernplattformen, aber auch Anwendungen zur Erstellung von Screen- oder Audiocasts. Produkte aus dem Unterricht erhalten eine größere Wertigkeit, was zugleich die Lernmotivation fördert.

Auf diesem Wege werden allgemeingültige Regeln für eine sichere und zielgerichtete Kommunikation verinnerlicht und Wege zur verantwortlichen Nutzung von Medien zur Zusammenarbeit gefunden.

3.4 Produzieren und Präsentieren

Durch jederzeit verfügbare Videokameras und Mikrofone eröffnen sich neue Dimensionen der Mediennutzung und Mediengestaltung im Klassenzimmer. Lernende können u.a. auch auf spielerisch-kreative Art und Weise die Präsentation von Arbeitsergebnissen multimedial planen, präsentieren und nach Feedback sinnvoll überarbeiten.

Im Fremdsprachenunterricht können Textpassagen von den Jugendlichen inhaltlich zusammengefasst und aufgenommen werden, die Lehrkraft hat die Möglichkeit zum umfassenden und nachhaltigen Feedback. Klassen haben die Möglichkeit eigene Hörbücher zu erstellen, beispielsweise im Deutsch- oder Französischunterricht. In den Naturwissenschaften ergeben sich zahlreiche Möglichkeiten der Dokumentation und Auswertung von Schülerexperimenten.

Über Apple TV, einen HDMI oder VGA- Adapter lässt sich das iPad problemlos mit einem Beamer oder Monitor verbinden. Es kann damit von Schülern wie Lehrkräften als Präsentationstool genutzt werden, d.h., die sich auf dem Tablet befindenden digitalen Inhalte, Präsentationen, Filme, Audiofiles können projiziert und allen Schülern zugänglich gemacht werden.

Die zahlreichen Feedbackmöglichkeiten verschiedener Anwendungen ermöglichen der Lehrkraft die Präsentationsleistungen der Kinder individuell zu verbessern. Mit der Aufnahmefunktion können Kinder Aussprache und Modulation ihrer Vorträge selbstständig überprüfen. Das Verbalisieren komplexer Zusammenhänge wird zum festen Bestandteil des Unterrichts.

3.5 Analysieren und Reflektieren

Bei der Auseinandersetzung mit der Vielfalt der verfügbaren Medienprodukte sollten die Lernenden in die Lage versetzt werden, den eigenen Umgang mit diesen Angeboten (z.B. im Hinblick auf Cybermobbing, Datenschutz,…) reflektieren zu können. Sie sollten um die Risiken der mobilen Kommunikationskultur wissen und angeregt werden, Technologien und Plattformen partizipativ, kreativ und innovativ zu nutzen.

3.6 Problemlösen und Modellieren

Zum Medienpass erst später hinzugefügt, befasst sich der sechste Kompetenzbereich mit Fragestellungen, die klassischerweise dem Feld der Informatik angehören. Ziel sollte es sein, informatische Grundbildung als elementaren Bestandteil aller Fächer anzusehen. Da Algorithmen immer mehr Lebensbereiche bestimmen – Stichworte Scoring, Tracking, Big Data -, müssen deren Einflüsse und die gesellschaftlichen Auswirkungen der zunehmenden Automatisierung in der digitalisierten Welt im Rahmen der unterschiedlichsten Fachbereiche bewusst gemacht und reflektiert werden.

Die Implementation der genannten Kompetenzbereiche in den Unterricht erfordert eine dauerhafte Auseinandersetzung mit den aktuellen gesellschaftlichen Entwicklungen. Sie wird nur gelingen unter Einbeziehung von Erprobung, Fortbildung, kollegialem Austausch und Weiterentwicklung des Medienkonzepts.

4. Implementation des Medienkompetenzrahmens NRW in den Fächern

In einem ersten Schritt (2015) erhielten die Fachkonferenzen die Aufgabe, bestehende Arbeitsweisen zu analysieren und bezogen auf konkrete Unterrichtssituationen einzelnen Teilkompetenzen des (damaligen) Medienpasses zuzuordnen. Dabei stellte sich heraus, dass für eine sinnvolle und systematische Einbettung bei vielen Kollegen die Möglichkeiten des Einsatzes digitaler Medien nur wenig präsent waren. Daher wurde die weitere Arbeit am Kompetenzraster zunächst ausgesetzt, um durch Fortbildungen (siehe Abschnitt 5) zunächst sowohl Motivation als auch Horizonterweiterung zu erreichen.

Da die Zuordnung der Teilkompetenzen zu Unterrichtssequenzen nicht statisch und ständigen Anpassungen unterworfen ist, können alle Kolleginnen und Kollegen auf eine Online-Variante des Kompetenzrasters zugreifen und somit gemeinsam an der (immer aktuellen) Version arbeiten. Exemplarisch folgen hier nur Beispiele für die Stärkung einzelner Teilbereiche, umgesetzt in unterschiedlichen Fächern.

4.1 Gemeinsame Arbeit am Kompetenzraster

4.2 Allgemeine digitale Methoden und Hilfsmittel

Die konkrete Zuordnung von Unterrichtseinheiten zu Kompetenzen erfasst nur einen Teil des Einsatzes digitaler Methoden. Der Medienpass beschreibt zum größten Teil, wie über Medien gelernt wird. Häufig ermöglicht das iPad aber erst Arbeitsformen, die nicht explizit im Lehrplan stehen, die aber die Bandbreite des pädagogischen Arbeitens erweitern und manche Zugänge zu Inhalten überhaupt erst möglich machen (siehe SAMR-Modell).

Außerdem verbessert der Einsatz der Tablets vor allem die Individualisierung des Lernens. Wenn man sich vor Augen hält, dass in einer Sekundarschulklasse mittlerweile vom Kind mit Förderschwerpunkt Lernen bis zum Jugendlichen, der später das Abitur anstrebt, die unterschiedlichsten Kompetenzstufen gefördert werden sollen, wird schnell klar, dass das mit Arbeitsblättern und anderen analogen Hilfsmitteln kaum möglich ist.

Einige grundlegende Werkzeuge, Konzepte und auch Apps werden im Folgenden vorgestellt:

Erklärvideos

Mit Hilfe der App „Explain Everything“ lassen sich Lernschritte einfach visualisieren und mit Tonaufnahmen versehen. Dadurch, dass die Lernenden das Thema selber erklären, müssen sie sich viel tiefgreifender mit den Inhalten auseinandersetzen. Diese Methode lässt sich in jedem Fach schon mit jüngeren Schülerinnen und Schülern einsetzen. Sie hat ebenfalls den Vorteil, dass erstellte Filme besprochen und im Anschluss für weitere Verwendung gespeichert und somit für später verfügbar gehalten werden können.

Flipped classroom (gut erklärt von Jan Vedder)

Die Lernenden bereiten idealerweise zu Hause oder in freien Lernzeiten (Arbeitsstunden), eventuell auch im Unterricht die als Video vorbereiteten theoretischen Inhalte des Lernstoffs vor. Im Unterricht wird darauf aufbauend weitergearbeitet. Es können dann Fragen geklärt werden, so dass schneller mit konkreten Anwendungsfällen begonnen werden kann und die Lehrkraft für Hilfestellungen bei der Bearbeitung frei ist. Dabei kann immer wieder auf die Lernvideos zurückgegriffen und auf die unterschiedlichen Lerngeschwindigkeiten Rücksicht genommen werden.

Bettermarks und Geogebra

Es gibt zwar schon seit Jahren digitale Schulbücher der traditionellen Schulbuchverlage. Leider schöpfen diese oftmals die Möglichkeiten des digitalen Mediums nicht annähernd aus. Es gibt kaum interaktive Inhalte (z.B. in der Geometrie) oder Rückmeldung über Aufgaben. So verharren die traditionellen digitalen Schulbücher meist auf dem Stand besserer pdf-Dateien. Bettermarks setzt für das Fach Mathematik an dieser Stelle an. Jeder Schüler besitzt ein eigenes Login (anonymisiert), so dass individuell gearbeitet werden kann. Die Lehrkraft kann so jedem Schüler und jeder Schülerin passgenaue Aufgaben zur Verfügung stellen.

Dabei wird bettermarks vorrangig als Übungsmöglichkeit genutzt. Die Lernenden können in individuellem Tempo die ihnen zugewiesenen Aufgaben bearbeiten, Unterschiede in Schwierigkeit und Umfang der Aufgaben werden nicht so schnell wahrgenommen, so dass kein Wettbewerb entsteht. Begonnen wird mit einer Einführung, bei der benötigtes Vorwissen abgefragt wird. Bei Bedarf kann auf vorherige Kapitel zurückgegriffen werden. Für alle Aufgaben gibt es eine sofortige Rückmeldung. Zunächst wird meist kleinschrittig in das jeweilige Thema eingeführt. Später gibt es nur noch die Aufgabenstellung und ein Feld für die Lösungseingabe. Die Zwischenschritte werden überwiegend im Heft durchgeführt. Die Lehrkraft bekommt am eigenen iPad ein Feedback über die Lernfortschritte und wird auf die „Top 5“ der häufigsten Fehler hingewiesen. Ansonsten ist sie im Unterricht viel verfügbarer für Nachfragen.

Für die eigenständige Erarbeitung neuer Themen eignet sich bettermarks weniger. Hier ist die kostenlose Software „Geogebra“ eine gute Ergänzung. Gerade wenn es um dynamische Prozesse geht, die bei der klassichen Bucharbeit nicht veranschaulicht werden können, können die vorbereiteten „Bücher“ in Geogebra als roter Faden zur Erarbeitung neuer Themengebiete genutzt werden.

mBook

Das mBook für den Geschichtsunterricht ist eine weitere positive Ausnahme auf dem Markt der digitalen Schulbücher. Viele genannte Punkte von bettermarks lassen sich auf mbook übertragen. Darüber hinaus wird es ständig – auch mit Hilfe der Benutzer – angepasst. Auch mbook kann von jedem Gerät mit Internetzugang über den Browser genutzt werden.

feedback-Systeme

Guter Unterricht sollte immer die Möglichkeit beinhalten, Rückmeldungen der Lernenden zuzulassen und abzufragen. Es gibt zwar auch analoge Tools dafür, die aber oft kompliziert und wenig nachhaltig sind. Digitale Feedbacksysteme haben den Vorteil, dass die Abfragen schnell erstellt sind, beliebig lange gespeichert und anonymisiert erhoben werden können. Für NRW hat das QUA-LiS für alle Lehrenden des Landes die Kosten für ein einfaches, aber gutes System namens „Edkimo“ übernommen. Die Schüler und Schülerinnen können einfach per App auf eine vorbereitete Abfrage zugreifen und Rückmeldungen geben.

5. Regeln im Umgang mit den iPads

Die Schülerinnen und Schüler bekommen zwar jeweils ein iPad, das sie auch mit nach Hause nehmen dürfen, haben aber je nach Entwicklungsstand verschiedene Regeln und Einschränkungen zu beachten:

Für alle gilt:

  • Spiele oder ähnliche Apps ohne unterrichtliche Veranlassung sind auf dem Schulgelände ausdrücklich verboten.
  • Tablets sind zuhause aufladen.
  • Tablet ausschalten, wenn Lehrkraft darum bittet.

Neulinge

  • dürfen ihr Tablet ausschließlich an ihrem Arbeitsplatz oder daheim nutzen.
  • dürfen ihr Tablet erst nach Absprache mit ihren Lehrkräften oder Eltern nutzen.
  • dürfen nur Apps nutzen, die als Schul-Apps definiert sind.
  • dürfen auf dem Schulgelände keine Messenger-Apps nutzen.
  • Bekommen eine schulische Apple-ID, mit der keine eigenen Apps erworben werden können.

Aufsteiger

  • dürfen ihr Tablet selbstständig am Arbeitsplatz oder daheim nutzen.
  • dürfen ihr Tablet im Schulgebäude nutzen.
  • dürfen ihr Tablet außerhalb der Gebäude nicht nutzen.
  • dürfen nur Apps nutzen, die als Schul-Apps definiert sind.
  • dürfen 5 private Apps nutzen, die innerhalb der Klasse festgelegt werden.
  • dürfen auf dem Schulgelände keine Messenger-Apps nutzen.

Durchstarter

  • dürfen ihr Tablet auf dem gesamten Schulgelände nutzen.
  • dürfen auf dem Schulgelände in den unterrichtsfreien Zeiten, sowie vor und nach der Schule private Apps nutzen. Dies gilt nicht, wenn sie das Gerät zusammen mit Neulingen oder Aufsteigern nutzen.
  • können durch die Eltern eine eigene Apple-ID beantragen.
  • dürfen auf dem Schulgelände keine Messenger-Apps nutzen.

Durchblicker

  • dürfen ihr Tablet auf dem gesamten Schulgelände nutzen.
  • dürfen auch private Apps in der Schule nutzen. Dies gilt nicht, wenn sie das Gerät zusammen mit Neulingen, Aufsteigern oder Durchstartern nutzen.
  • dürfen die Messenger-Apps nutzen.

Über die Berechtigung zum Übergang in die nächste Stufe entscheidet die Klassenkonferenz am Ende jedes Schuljahres. Bei wiederholtem Verstoß gegen die Regeln kann eine Herabstufung jederzeit erfolgen.

6. Konzept zur Qualifizierung des Kollegiums

Das Lehren mit digitalen Medien an unserer Schule erfordert für Lehrerinnen und Lehrer zunächst Kompetenzen, die für viele von ihnen neu sind. Sie sollen Medien selbst nutzen können, darüber hinaus wissen, wie sie im Unterricht einsetzbar sind. Dann müssen sie wissen, welche erweiterten neuen Lernmöglichkeiten sie bieten. Außerdem sollen sie auf dem neuesten Stand sein, um die Auswirkungen von medialen Einflüssen erkennen und erklären zu können. Da zum Kompetenzbegriff neben den reinen Fertigkeiten und Fähigkeiten auch die Bereitschaft gehört, diese einzusetzen, werden wir in den kommenden Monaten ein Qualifizierungs- und Unterstützungssystem aufbauen, das neben punktuellen Ganztagesfortbildungen auch schuljahrbegleitende Maßnahmen enthält.

Mittlerweile haben wir in den letzten drei Jahren vier umfangreiche Fortbildungstage zum Thema „Digitalisierung“ durchgeführt. Nach einer ersten schulinternen Veranstaltung zur Motivation und Sensibilisierung des Kollegiums folgte eine zweite, die konkrete Anwendungen in den drei Fachgruppen Sprache, Naturwissenschaften und Mathematik zum Inhalt hatte. Dafür wurden externe Moderatoren eingeladen, die bereits über langjährige Erfahrungen im Umgang mit digitalen Medien verfügten. Die dritte (und vierte) ganztägige Fortbildung war die Teilnahme an einer der größten Fortbildungsveranstaltungen Deutschlands in Oldenburg. Das gesamte Kollegium hatte die Möglichkeit, unter mehr als 120 Workshops auszuwählen.

Nun haben wir einen Stand erreicht, in dem konkrete Maßnahmen innerhalb der Schule und schulbegleitend zum täglichen Unterricht erfolgen werden. Dafür werden nun zunächst Mikrofortbildungen („Digitalhappen“) etabliert, bei denen Kolleginnen und Kollegen in freien Stunden „best practice“-Methoden ihren interessierten Kolleginnen und Kollegen vorstellen. Im Sinne eines „Kurskiosk“ (siehe bei Sonja Hennig) werden von ihnen Angebote gemacht. Finden sich drei Interessierte, wird ein Termin festgelegt und die Veranstaltung durchgeführt. Dadurch sollen einerseits die Methodenvielfalt verbessert, aber auch Ängste abgebaut werden. Zusätzlich werden durch die Realisierung kollegialer Unterrichtshospitationen der Austausch und die Öffnung innerhalb des Kollegiums gefördert.

Immer klarer wird, dass die Qualifizierungsbemühungen des Kollegiums bisher überwiegend auf den Teilaspekt „Lehren mit Medien“ beschränkt waren. Um die z.B. von der KMK geforderten Kompetenzen zu vermitteln und die Inhalte des Medienkompetenzrahmens in allen Fächern unterzubringen, ist aber im Kollegium für die Zukunft noch intensiver das „Lehren über Medien“ abzudecken. Angedacht ist hier, modulare schulbegleitende Fortbildungen anzubieten. Das Beispiel der Stadtteilschule Am Heidberg (Hamburg) unter Federführung von Michael Busch bietet dabei hilfreiche Anhaltspunkte zur Umsetzung einer solchen Maßnahme. An fünf Terminen im Schuljahr werden Module angeboten, die die unterschiedlichsten Aspekte des Lebens und Lernens mit und über digitale Medien beleuchten. Diese Module sollen sowohl von externen Moderatoren, als auch von eigenen Kollegen und Kolleginnen durchgeführt werden. Für externe Angebote wird in den kommenden Jahren in Zusammenarbeit mit dem Kompetenzteam/der Medienberatung des Kreises ein Pool an Anbietern aufgebaut.

Konzept: Michael Busch, zu finden unter https://smartclassroomlearning.org

7. Evaluation

Zunächst war angedacht, einen Partner aus der Wissenschaft zu finden, der uns bei der Auswertung und Evaluation unseres Weges begleiten und weitere Schritte mit uns planen sollte. Erster Ansprechpartner war Richard Heinen von der Universität Duisburg-Essen, der bereits Schulentwicklungsprojekte in der Region Rhein-Waal begleitet hat und mit dem „learning lab“ für Nordrhein-Westfalen erster Ansprechpartner war. Finanzielle Förderung erhofften wir uns im Rahmen der Teilnahme des Projekts „LiGa – Leben und Lernen im Ganztag“ von QUA-LiS. Leider stellt es sich als Nachteil heraus, dass Stemwede ostwestfälische Randlage darstellt und die Ballungszentren attraktiver für Studien sind…

Eine erste Bestandsaufnahme über die Erfahrungen mit dem Einsatz individueller iPads im Unterricht ist im Frühjahr 2018 erfolgt und zeigte vor allem die positiven Auswirkungen auf Lehrer- und Schülermotivation. Ein weiteres Ergebnis der ersten Evaluation war der Beschluss, entgegen dem bestehenden Medienentwicklungsplan die iPads weiterhin erst in der siebten Jahrgangsstufe anzuschaffen und vorher die Arbeit mit individuellen Geräten durch die vorhandenen Leihlösungen anzubahnen.

8. Elternarbeit

30.11.2016: Infoabend für alle Eltern der künftigen 7. Klassen, u.a. mit Herrn Carsten Huge, Schulleiter der Oberschule Gehrden

02.02.2017: Erörterung mit den Klassenpflegschaftsvorsitzenden, dem Fördervereinsvorsitzenden und Vertretern der Firma Apple über Ablauf und Konditionen der Bestellungen, Support und sonstige Informationen. Eltern erklären sich bereit, die Finanzierung der Geräte zu übernehmen.

März 2017: Die Gemeinde Stemwede diskutiert im Bildungsausschuss die Anschaffung der Geräte aus kommunalen Mitteln.

Mai 2017: Gemeinde beschließt Übernahme der Kosten. Änderung des Medienentwicklungsplans.

Juni 2017: Elternabend mit Informationen zum weiteren Vorgehen, zu Regeln, Konditionen der iPad-Nutzung und sonstigen Fragen.

Januar 2018: Informationsabend „Social Media“

April 2018: Elternsprechtag mit Evaluation der iPad-Klassen aus Elternsicht

9. Ausblick

  • Medienentwicklungsplanung für die Schulen der Gemeinde Stemwede über 2020 hinaus
  • Einführung einer Lernplattform?
  • Weitere Vernetzung in der Region, regionale Netzwerktreffen, Stemweducation 2020?
  • Interschulischer Austausch und Kooperation
  • Nach erfolgter Erprobungsphase konkretere Beschränkung auf wenige Werkzeuge und Absprachen auf Vorgehensweisen
  • Anpassung der Mediennutzungsordnung